26 Mai

Erinnerungsarbeit am Gymnasium Langenhagen: Projektgruppe „Erinnern“

Langenhagen - Am Gymnasium Langenhagen wird eine beeindruckende Erinnerungsarbeit geleistet, um die dunkle Vergangenheit der Judendeportationen aus dem Alters- und Pflegeheim „Feierabend“ im Eichenpark in Langenhagen vor 80 Jahren nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Ein zentraler Bestandteil dieser Arbeit ist die engagierte Schulprojektgruppe „Erinnern“. Mit großem Einsatz und umfassender Recherche hat das Team unter der Leitung von Frau Dr. Maren Hoffmeister eine Vielzahl von Informationen über die damaligen Geschehnisse zusammengetragen und sich intensiv mit den Deportationen auseinandergesetzt.

Unterstützt von modernster Technik wie Greenscreen, Beleuchtung, Ton- und Videoausstattung, begab sich das Team der Schülerinnen und Schüler auf die Suche nach Spuren der Deportierten. Mit Unterstützung des Medienzentrums aus Lüneburg wurden hochrangige Experten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens interviewt, um den Anhaltspunkten der Recherchegruppe nachzugehen. Besonders bewegend war das Treffen mit Michael Fürst, dem Präsidenten des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen und Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Hannover. Er erfuhr durch das Projektteam „Erinnern“ erstmals davon, dass die Deportation seines Urgroßvaters Seligmann Jacobi aus der Einrichtung in Langenhagen erfolgte. Diese persönliche Verbindung gab der Erinnerungsarbeit eine besondere Bedeutung und zeigte, wie sehr die Geschichte auch nach 80 Jahren noch lebendig ist.

Die Gedenkveranstaltung, die das Projektteam „Erinnern“ im September des vergangenen Jahres auf die Beine stellte, war eindrucksvoll in ihrer Vielseitigkeit von tiefgründigen und inspirierenden Redebeiträgen. Als Ehrengäste bereicherten Michael Fürst und Dr. Jens Binner, der Direktor des ZeitZentrums Zivilcourage Hannover, die Veranstaltung mit ihren Beiträgen. Auch die stellvertretende Bürgermeisterin Ulrike Jagau würdigte in ihrer Ansprache den vorbildlichen Einsatz der jungen Forscherinnen und Forscher und betonte die Bedeutung einer solch umfassenden Aufarbeitung der Geschichte.
Schulleiterin Silke Kaune stellte die alten Eichen in der Umgebung des Alters- und Pflegeheims, dem heutigen Eichenpark ins Zentrum ihres Beitrags. Die Eichen waren stumme Zeugen dieser grausamen Ereignisse. Im Gegensatz dazu stehe die andauernde Verpflichtung, die Geschichte durch Erinnerung in die Gegenwart zu transportieren.

Verbunden wurden die Reden mit musikalischen Beiträgen der Musikkurse der Jahrgänge 12 und 13 unter der Leitung von Frau Neuhaus und Frau Besmehn. Ein Chor trug die ausgewählten Stücke mit jiddischen Texten mit Instrumentalbegleitung vor. Diese Darbietung setzte mit der kulturellen Verschiedenheit der beteiligten Schülerinnen und Schüler auch ein starkes Zeichen für Vielfalt und Toleranz.

Um die Geschichte erlebbar zu machen, entwickelt die Projektgruppe ein Videoprojekt in Form von „Augmented Reality“, zu deutsch etwa „erweiterter Realität“, das vor Ort im Eichenpark den Abruf der aufgezeichneten Experteninterviews und die Darstellung historischer Dokumente ermöglichen wird. Die visuelle Überblendung mit der Umgebung des ehemaligen Alters- und Pflegeheims soll Teil eines künftigen Gedenkorts werden, den die Stadt Langenhagen mit Unterstützung der Landeshauptstadt Hannover gestalten wird.

Teil der Projektarbeit war auch eine Exkursion zur Gedenkstätte Neuengamme in Hamburg. Die Gedenkstätte, die sich auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Neuengamme befindet, vermittelte den jungen Menschen bei Ihrem Besuch einen Einblick in die grausame Realität des Konzentrationslagers und zeigte ihnen die Bedeutung des Erinnerns und der Aufarbeitung der Vergangenheit.

Die Präsentation der Ergebnisse am 25.05.2023 im Bildungsausschuss der Stadt Langenhagen begeistert durch alle Fraktionen für die fundiert recherchierte Arbeit der Projektgruppe „Erinnern“ repräsentiert durch Hanna Achberger, Marit Kappler, Chiara Abbey und Malte Kruppa. Die stellvertretende Bürgermeisterin Frau Jagau lobt den langen Atem und die beharrliche, erfolgreiche Suche der Schüler*innen unter der Leitung der Fachobfrau Dr. Maren Hoffmeister. Das Engagement geht von den Schüler*innen aus. Sie haben sich trotz aller Hindernisse nicht entmutigen lassen: in der Recherche (mehrfache Nachfrage nach bestimmten Quellen, die keine Signatur besitzen und deswegen kaum zu finden waren), in Organisation der Gedenkfeier (Bedrohung durch die Corona-Infektionszahlen, durch das wechselhafte Wetter für die Campuslösung, Schwierigkeiten eine Außenbühne zu bekommen und vieles mehr). Ihnen war diese Aufgabe wichtiger. Sie wollten sich mit der gesamten Schule als eine Wertegemeinschaft zeigen, die diese schlimmen Verbrechen in der direkten Nachbarschaft sieht und sich couragiert dagegenstellt. Sie wollen den deportierten Menschen die Würde zurückgeben, indem sie die Hintergründe und Abläufe genauestens erforschen und aus Nummern wieder Personen werden. Vom Bildungsausschuss fordert die Projektgruppe, dass ihre Ergebnisse in die Langenhagener Schulcurricula aufgenommen werden, weil die Shoa hier unter uns stattgefunden hat und ihre Generation sensibilisiert werden muss, damit die Geschichte sich nicht wiederholt. Der Ausschuss sagt den Schülerinnen Unterstützung bei der Veröffentlichung des Buches zu. Ebenso wird eine gemeinsame große Gedenkveranstaltung ins Auge gefasst. Herr Noß lobt die professionell durchdachte Organisation der Projektgruppe, die eine derart große Veranstaltung stattfinden lassen konnte. Die Projektgruppe „Erinnern“ bedankt sich bei Frau Baumann für die guten Tipps zur Vortragsweise und das immer offene Ohr sowie bei ihren Lehrkräften für das Verständnis, dass sie während der Unterrichtszeit an dem Projekt arbeiten durften. Der Dank geht auch an die Schulleitung, die die Exkursionen in die Archive unterstützt haben.

Die Projektgruppe "Erinnern" am Gymnasium Langenhagen plant, auch in Zukunft weiterhin aktiv zu sein und ihre Arbeit fortzusetzen. Die Schülerinnen und Schüler sind entschlossen, ihre Recherchen und Erkenntnisse auszubauen und zu vertiefen. Sie planen die Veröffentlichung eines Buches, das ihre Ergebnisse und Erfahrungen dokumentiert und als Beitrag zur historischen Aufarbeitung dient. Es soll ein Wikipedia-Eintrag entstehen und die Gedenkveranstaltung soll auf einer Homepage mit den Texten und Fotos zugänglich gemacht werden.  Mit dem fortgesetzten Engagement möchten die Schülerinnen und Schüler der Projektgruppe „Erinnern“ das Bewusstsein für die Verantwortung jedes Einzelnen in der Gesellschaft stärken und dazu beitragen, dass sich die schrecklichen Ereignisse der Vergangenheit niemals wiederholen.

 

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